Projekt
Dieses Projekt unter der Projektleitung der Universität Navarra untersucht systematisch, wie das Zusammenspiel verschiedener Faktoren zum Zweitspracherwerb (SLA) bei jungen Lernenden im schulischen Umfeld beiträgt. Das primäre Ziel des Projekts besteht darin, das wissenschaftliche Verständnis im Bereich der Linguistik, insbesondere im Teilgebiet des SLA, zu erweitern und tiefere Einblicke in die Komplexität des Sprachenlernens bei jungen Menschen im Bildungskontext zu gewinnen, die bislang relativ unerforscht ist. Das IWM fungiert hierbei vor allem als beratender Partner.
Das Projekt wird zudem Lehrkräften und Bildungsbehörden nützliche Anleitungen dazu liefern, wie effektive Sprachprogramme umgesetzt, ineffektive Praktiken verbessert oder beseitigt und realistische Erwartungen hinsichtlich der Lernergebnisse der Schüler gesetzt werden können. Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Untersuchung des Zusammenspiels von Faktoren, die den Spracherwerb bei jungen Lernenden beeinflussen. Dank einer Vereinbarung mit dem Bildungsministerium der Regierung von Navarra werden Daten von einer großen Stichprobe von Schülern an Grund- und weiterführenden Schulen in Navarra erhoben, einer Region, die sich durch sprachliche Vielfalt und eine Vielzahl von Bildungsprogrammen auszeichnet, die den Unterricht in Spanisch, Baskisch und Englisch integrieren. Die Teilnehmer stammen aus den letzten Jahrgangsstufen der Grundschule (im Alter von 10–12 Jahren) und der Sekundarstufe (im Alter von 14–16 Jahren), was entscheidende Übergangsphasen in der Sprachentwicklung darstellt und eine repräsentative Stichprobe der Bildungslandschaft der Region gewährleistet.
Das Besondere an diesem Projekt ist sein ganzheitlicher Ansatz. Es wird alle vier Sprachfertigkeiten – Sprechen, Lesen, Schreiben und Hören – in drei Sprachen (Spanisch, Baskisch und Englisch) in der Primar- und Sekundarstufe untersuchen und dabei die Besonderheiten von Lernenden mit Hörbehinderungen berücksichtigen. Das Projekt wird die kombinierten Auswirkungen mehrerer Schlüsselfaktoren analysieren, von denen bekannt ist, dass sie den Spracherwerb beeinflussen, darunter die Intensität der Sprachkontakte sowohl innerhalb (Immersion, CLIL und Nicht-CLIL) als auch außerhalb (außerschulische Kontakte) der Schule, kognitive Faktoren, Geschlecht, Motivation und sozioökonomischer Status (SES). Obwohl nachgewiesen wurde, dass diese Faktoren das Sprachenlernen beeinflussen, sind ihre kombinierten Auswirkungen im schulischen Umfeld bislang nur unzureichend erforscht. Daher ist diese Forschung aktuell und gerechtfertigt, da sie darauf abzielt, Lücken in der aktuellen SLA-Forschung zu schließen, die Auswirkungen bestehender Sprachprogramme zu bewerten und evidenzbasierte Empfehlungen zur Weiterentwicklung dieser Programme zu geben. Wissenschaftlich geht diese Initiative über die Erweiterung des bestehenden SLA-Wissens hinaus. Sie erschließt neue Bereiche wie den Einfluss des außerschulischen Kontakts mit Regionalsprachen (Baskisch) und untersucht, wie kognitive Faktoren, das Geschlecht und die Intensität des Kontakts sowohl innerhalb als auch außerhalb des schulischen Umfelds zusammenwirken. Durch diesen umfassenden Ansatz zielt das Projekt darauf ab, ein differenzierteres Verständnis des Spracherwerbs zu vermitteln, das direkt in die pädagogische Praxis einfließen könnte.
Zusammenfassend zielt dieses Forschungsvorhaben darauf ab, einen wesentlichen Beitrag zum Bereich des Zweitspracherwerbs zu leisten, indem es das komplexe Zusammenspiel der Faktoren untersucht, die den Spracherwerb bei jungen Lernenden im schulischen Umfeld beeinflussen. Durch die Beschäftigung mit bisher wenig erforschten Bereichen und die Bereitstellung empirischer Erkenntnisse zu mehrsprachigen Bildungsprogrammen verspricht dieses Projekt, unser Verständnis von Sprachlernprozessen zu vertiefen und evidenzbasierte Empfehlungen für die pädagogische Praxis zu liefern.
09/2025 - 08/2029
Spanisches Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Hochschulen, kofinanziert von der Europäischen Union; Hauptantragsteller: Staatliche Universität Navarra, Spanien

Leiter Arbeitsgruppe
+49 7071 979-180d.meurers@iwm-tuebingen.deSimón Ruiz und Amparo Lázaro-Ibarrola, Universität Navarra, Spanien (Projektleitung)
Universität Edinburgh, UK
Universität Oslo, Norwegen
Universität Lancaster, UK