Projekt
Soziale Medien verwischen die Grenzen zwischen politischer und nicht-politischer Kommunikation. Auf Plattformen wie TikTok können Content Creator soziopolitische Bedeutungen nicht nur durch explizit politische Inhalte vermitteln, sondern auch im Rahmen unterhaltungsorientierter Creator-Kommunikation, darunter Lifestyle, Humor und kulturelle Inhalte. Dies ist relevant, da das Publikum über Inhalte, die es primär zu Unterhaltungszwecken konsumiert, mit soziopolitischen Informationen und Perspektiven in Berührung kommen kann, mit möglichen Implikationen für das Verständnis soziopolitischer Themen.
Die Forschung zu soziopolitischer Kommunikation innerhalb unterhaltungsorientierter Creator-Inhalte ist jedoch bislang begrenzt. Dieses Promotionsprojekt untersucht in Unterhaltungsinhalte eingebettete soziopolitische Kommunikation (engl. Entertainment-Embedded Sociopolitical Communication, EE-SPC) als Kommunikationsprozess und geht der Frage nach, wie soziopolitische Bedeutungen in unterhaltungsorientierte Creator-Kommunikation eingebettet werden, wie das Publikum auf eine solche Kommunikation reagiert und welche Implikationen eine solche Kommunikation für das Verständnis soziopolitischer Themen beim Publikum haben kann. Das Projekt legt dabei ein breites Verständnis von soziopolitischer Kommunikation zugrunde, das sowohl formale politische Themen als auch soziale, kulturelle und ideologische Bedeutungen umfasst, die sich auf Themen von gesellschaftlicher Relevanz beziehen.
Das Projekt kombiniert Methoden der computergestützten Kommunikationswissenschaft mit einem umfragebasierten experimentellen Ansatz. Zunächst werden TikTok-Videos computergestützt analysiert, um wiederkehrende Kommunikationsmuster zu identifizieren und eine Typologie von EE-SPC zu entwickeln. Aufbauend auf dieser Typologie untersucht das Projekt anschließend Publikumsreaktionen auf die identifizierten Formen von EE-SPC auf TikTok anhand von Plattform-Engagement-Metriken sowie computergestützten Analysen von Nutzerkommentaren. Abschließend wird auf Grundlage der vorangegangenen Analysen in einem umfragebasierten Experiment untersucht, wie sich die Rezeption unterschiedlicher Formen von EE-SPC auf das wahrgenommene Verständnis soziopolitischer Themen beim Publikum auswirkt, wobei objektives Wissen als ergänzender Vergleichsmaßstab einbezogen wird.
Das Projekt zielt darauf ab, die Forschung zur digitalen politischen Kommunikation und soziopolitischen Bedeutungsbildung voranzubringen und zugleich Erkenntnisse zu liefern, die zur Förderung der Medienkompetenz und zum Verständnis soziopolitischer Themen in gegenwärtigen digitalen Medienumgebungen beitragen können.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
+49 7071 979-304r.abdullah@iwm-tuebingen.de
Leiterin Arbeitsgruppe
+49 7071 979-308s.utz@iwm-tuebingen.deProf. Dr. Annett Heft, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Eberhard Karls Universität Tübingen