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2.4.2026
Dissertation zu Glaubwürdigkeit bei Sprachassistenten erfolgreich verteidigt
Was passiert, wenn Informationen nicht gelesen, sondern ausschließlich über Sprache vermittelt werden – und ihnen dabei womöglich zu viel Vertrauen geschenkt wird? Dieser hochaktuellen Frage ist Franziska Gaiser in ihrer Dissertation „Hearing is Believing? Glaubwürdigkeitsbewertungen bei sprachbasierten Informationssuchen mit Smart Speakern“ nachgegangen. Die Arbeit entstand in der Arbeitsgruppe Alltagsmedien am IWM und wurde im März erfolgreich verteidigt.
Im Mittelpunkt stand die Beobachtung, dass Smart Speaker wie Alexa Informationen oft ohne sichtbare Quellen präsentieren – und damit neue Herausforderungen für die Glaubwürdigkeitsbewertung schaffen. Anders als bei textbasierten Suchergebnissen fehlt Nutzer*innen damit oft eine wichtige Grundlage, um die Vertrauenswürdigkeit einer Information einzuordnen. Gerade vor dem Hintergrund der wachsenden Verbreitung sprachbasierter KI-Systeme gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung.
Auf Basis des MAIN-Modells (Modality, Agency, Interactivity and Navigability) zur Bewertung medial vermittelter Informationen untersuchte Franziska Gaiser, wie Merkmale wie die rein akustische Präsentation, die begrenzte Interaktivität oder bestimmte sprachliche Eigenschaften die Einschätzung von Glaubwürdigkeit beeinflussen. Ihre Ergebnisse zeigen: Nutzer*innen schätzen zwar die Bequemlichkeit von Smart Speakern, ihre Antworten werden jedoch selten hinterfragt. Gleichzeitig werden identische Informationen als glaubwürdiger eingestuft, wenn sie gesprochen statt gelesen werden – selbst dann, wenn keine Quelle genannt wird. Zudem zeigte sich, dass besonders menschlich wirkende Sprache dazu führen kann, dass Nutzer*innen Informationen positiver bewerten, dabei jedoch weniger kritisch bleiben.
Die IWM-Alumna sieht in interaktiven Verifikationsfunktionen einen möglichen Ansatz, um Nutzer*innen beim Erkennen potenziell falscher Informationen zu unterstützen: „Allerdings wirken diese Maßnahmen vor allem dann, wenn sie tatsächlich genutzt werden. Das bloße Vorhandensein einer Verifikationsoption reicht nicht aus, um die Bewertung der Glaubwürdigkeit nachhaltig zu verbessern.“
Die Dissertation von Franziska Gaiser macht deutlich, dass Sprachsuche Komfort bietet, aber auch das Risiko birgt, dass gesprochene Antworten zu unkritisch akzeptiert werden. Die Erkenntnisse liefern wichtige Impulse für die Gestaltung zukünftiger sprachbasierter Technologien und menschenähnlicher KI-Systeme.