News

28.7.2026
IWM-Forscher erklärt, wie Narrative unser Denken und unsere Wahrnehmung gesellschaftlicher Wirklichkeit prägen
Warum bleiben Geschichten häufig stärker im Gedächtnis als einzelne Fakten? Und weshalb lassen sich einmal etablierte Erzählungen selbst durch sachliche Korrekturen nur schwer entkräften? Diesen Fragen widmete sich Prof. Dr. Markus Huff, stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM), Anfang Juli 2026 in einem Vortrag im Rahmen des Studium Generale der Universität Tübingen.
Unter dem Titel „Warum Geschichten überzeugen – Narrative Kognition und öffentliche Wirklichkeit“ erläuterte Huff aus kognitionspsychologischer Perspektive, wie Menschen Geschichten aufnehmen und verarbeiten. Informationen werden demnach nicht als voneinander isolierte Einzelheiten gespeichert. Vielmehr verbinden Menschen sie zu zusammenhängenden mentalen Ereignismodellen. Diese helfen ihnen dabei, Geschehnisse zu verstehen, einzuordnen und weitere Entwicklungen vorherzusagen.
Was das Verstehen erleichtert, kann den Umgang mit Desinformation zugleich erschweren: Hat sich eine schlüssige Erzählung erst einmal im Gedächtnis verankert, bleibt sie häufig bestehen – auch wenn einzelne ihrer Bestandteile später korrigiert werden. Anhand aktueller Forschung zeigte Huff, wie Narrative dadurch die Wahrnehmung gesellschaftlicher Wirklichkeit beeinflussen können.
Das Thema ist eng mit seiner Forschung am IWM verbunden. Als Leiter der Arbeitsgruppe Wahrnehmung und Handlung untersucht Huff, wie Menschen Informationen in dynamischen und mitunter widersprüchlichen digitalen Wissensumgebungen auswählen, mental organisieren und mit ihrem Vorwissen verbinden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf narrativer Kognition sowie auf der Frage, wie Menschen mit Falschinformationen und Gegenmeinungen umgehen.
Der Vortrag war Teil der Studium-Generale-Reihe „Medien, Macht und Menschlichkeit – Wie die digitale Medienökonomie unsere Öffentlichkeit prägt“.
Zur Aufzeichnung des Vortrags: Warum Geschichten überzeugen - Narrative Kognition und öffentliche Wirklichkeit